Artikel aus der Rubrik „Aktuell“ | | 24.03.2022 | ±3 Minuten Lesezeit

Ägypten ist ein sehr beliebtes Urlaubsziel für Russen und Ukrainer. Aufgrund des Krieges in der Ukraine hat die Anzahl an Touristen aus beiden Ländern stark abgenommen.

Großteil der Touristen kommt aus Russland oder Ukraine

Vor dem Ausbruch der Coronapandemie kamen ungefähr ein Drittel der Touristen in Ägypten aus Russland oder der Ukraine. 2019 besuchten mehr als 1,6 Millionen Ukrainer Ägypten und das Land hieß monatlich zwischen 300.000 und 500.000 Reisende aus Russland willkommen. Ägypten versucht es Reisenden aus diesen Ländern so einfach wie möglich zu machen, nach Ägypten zu reisen. Die Einreisebestimmungen für Russen und Ukrainer sind sehr günstig, denn Reisende aus beiden Ländern haben die Möglichkeit, vor der Abreise ein E-Visum zu beantragen oder nach der Ankunft beim Flughafen in Ägypten ein sogenanntes “Visum on Arrival” zu erlangen. Es ist also nicht notwendig, die Botschaft zu besuchen. Russen, die in einer Gruppe von mindestens fünf Personen nach Ägypten reisen, benötigen gar kein Visum.

Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind Urlaubsbuchungen aus den zwei involvierten Ländern so gut wie vollständig gestoppt. Der russische Einmarsch hat viele Ukrainer Ihrer Heimat vertrieben. Außerdem haben sowohl Ukrainer als auch Russen Angst, dass sie nicht mehr in die Heimat zurückkehren können, wenn sie das Land verlassen. Im Moment sind tausende Russen und Ukrainer in Ägypten gestrandet. Sie haben keine Möglichkeit, einen Rückflug zu buchen, denn die meisten Fluggesellschaften bieten vorübergehend keine Flüge nach Russland oder in die Ukraine an. Kürzlich kündigte die ägyptische Regierung an, dass Überschreitungen der Gültigkeitsdauer des Visums für russische und ukrainische Touristen derzeit nicht mit einem Bußgeld geahndet werden. Die Regierung ist auch im Gespräch mit unter anderem Egypt Air, um die schnellstmögliche Repatriierung der Reisenden in die Wege zu leiten.

Die Wirtschaft Ägyptens erholt sich

Der starke Rückgang der Touristenzahlen aus Russland und der Ukraine ist nicht der einzige Rückschlag, den die ägyptische Wirtschaft in den vergangenen Jahren ertragen musste. 2015 stürzte ein Passagierflugzeug über Sinaï ab, was Russland dazu verleitete, alle Flüge nach Ägypten vorübergehend abzusagen. Auch die Coronapandemie hat Ägypten hart getroffen. Das Land ist zu einem großen Teil von ausländischen Touristen abhängig. Wegen Corona kam nicht nur viel weniger Geld in die Staatskasse, sondern sind auch tausende Jobs verloren gegangen. Das war auch eine der Hauptgründe, warum Ägypten eine der ersten Länder war, die die Grenzen wiedereröffnete. Im vergangenen Jahr hat sich der Tourismus in Ägypten gut erholt. Russland beschloss im Juni 2021 Flüge nach Ägypten wieder zu erlauben und die ägyptische Regierung hat Millionen in verschiedene Projekte investiert, um Touristen anzulocken. Beispielsweise sind mehrere Museen renoviert worden und sind große Veranstaltungen organisiert worden, wie etwa Umzüge oder internationale Sportveranstaltungen.

Dieser Aufwand der Regierung zeigt seinen Effekt. 2021 waren die Gesamteinkünfte aus dem Tourismus mit 13 Milliarden Dollar beziffert. Das ist eine starke Steigung im Vergleich zum Jahr 2020, als nur 4 Milliarden Dollar mit dem Tourismus verdient wurde. Auch wenn die Zahl noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau liegt, ist die Regierung mit der Entwicklung zufrieden.

Touristen aus anderen Ländern sollen das Loch füllen

Ägypten schaut in die Richtung anderer Länder, um den Rückgang an russischen und ukrainischen Touristen wett zu machen. Das Land ist auch unter Reisenden aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland sehr beliebt. Für sie gelten dieselben Visumregeln wie für Russen und Ukrainern. Kürzlich zog die englische Regierung ihre Reisewarnung für den Südsinai und Fajun ein und wird Ägypten vom Auswärtigen Amt in Deutschland nicht mehr als Hochrisikogebiet in Bezug auf Covid-19 eingestuft. Die Regierung Ägyptens möchte die Beziehung mit diesen zwei Ländern verstärken, um die Touristenzahlen langfristig zu erhöhen.