Artikel aus der Rubrik „Aktuell“ | | 07.04.2021 | ±4 Minuten Lesezeit

Die australische Regierung hat strenge Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Für Rucksacktouristen und Reisende, die in Australien auch arbeiten dürfen (Working-Holiday-Visa), wird bis auf weiteres kein Visum Australien mehr erteilt. Hierdurch haben die Obst- und Gemüsefarmer mit einem großen Personalmangel zu kämpfen.

Saisonarbeit in Australien mit einer WHVA

Australien ist ein beliebtes Reiseziel für Rucksacktouristen, die längere Zeit im Land bleiben möchten und ihren Aufenthalt durch Arbeit während der Reise finanzieren. Jedes Jahr kommen durchschnittlich etwa 140.000 junge Menschen mit einem Working Holiday Visum oder einem Work and Holiday Visum (WHVA) nach Australien. Dieses Visum erlaubt ihnen einen einjährigen Aufenthalt in Australien. Reisende, die mindestens drei Monate in einem bestimmten Sektor wie Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, Baugewerbe oder Fischerei gearbeitet haben, können später nochmals ein zweites Visum für eine Kombination von Urlaub und Arbeit erhalten. Sie können auch ein drittes Mal ein Visum erhalten, wenn sie insgesamt mindestens sechs Monate in diesen Branchen gearbeitet haben.

Reisende mit einem Working-Holiday-Visum oder Work-and-Holiday-Visum spielen daher eine wichtige Rolle in der Saisonarbeit und der Landwirtschaft in Australien. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben Rucksacktouristen bis zu 80 Prozent der Arbeit auf den Farmen in Australien verrichtet. Seit Beginn der Pandemie bleiben diese Backpacker jedoch aus, und herrscht in manchen Branchen dadurch ein großer Arbeitskräftemangel. Nach Angaben der australischen Regierung gibt es derzeit nur 45.000 Rucksacktouristen im Land. Die Tatsache, dass so wenig Backpacker in Australien unterwegs sind, lässt sich mit den strengen Corona-Maßnahmen erklären, die das Land hantiert.

Strenge Einreisebeschränkungen in Australien

Australien hat das Sars-CoV-2-Virus - im Vergleich zu anderen Ländern - seit langem gut unter Kontrolle. Zum Ende des Sommers 2020 waren die Infektionszahlen bereits stark gesunken. Seit Herbst 2020 gab es - abgesehen von einigen Infektionsclustern in größeren Städten wie Sydney und Brisbane - kaum noch Neuinfektionen. Wenn neue Fälle von Corona registriert wurden, wurden im betroffenen Gebiet sofort strenge Ausgangsbeschränkungen auferlegt.

Um die erneute Einschleppung des Virus nach Australien durch ausländische Reisende und damit neue Infektionsketten zu verhindern, werden bis auf Weiteres keine Visa für Touristen erteilt und auch der Familienbesuch weit eingeschränkt. Bis auf Weiteres gilt ein Einreiseverbot, außer für Reisende, die die australische Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltserlaubnis und Ihren ständigen Wohnsitz in Australien haben, und für ihre unmittelbare Familienangehörigen, sowie für diejenigen, die einen sehr dringenden Grund für die Reise haben. Personen, die die zwei Wochen vor Ihrer Reise nach Australien in Neuseeland verbracht haben, sind ebenfalls vom Einreiseverbot ausgenommen. Dadurch können auch Backpacker bis auf Weiteres nicht mit einem Working Holiday Visum oder einem eVisitor Visum nach Australien reisen.

Negative Auswirkungen auf die Obst- und Gemüsefarmen

Der Wegfall von Rucksacktouristen und anderen Touristen, die in Australien auch arbeiten dürfen, verursacht in Australien große Probleme, auch auf den Obst- und Gemüsefarmen. Landwirte, die auf Rucksacktouristen als Saisonarbeiter angewiesen sind, haben mit einem enormen Personalmangel zu kämpfen. Nach Angaben von Australiens größtem Landwirtschaftsverband fehlen 26.000 Arbeitskräfte. Infolgedessen entsteht in den Ernten Schade in Millionenhöhe, was wiederum zu höheren Lebensmittelpreisen in australischen Supermärkten führt. Die Preise für Obst und Gemüse könnten längerfristig um bis zu 29 Prozent steigen.

Die australische Bundesregierung hat mit Subventionen versucht, Australier/-innen dazu zu bewegen, am Land zu arbeiten, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Nur 350 Personen haben sich im Rahmen des Subventionsprogramms der Regierung angemeldet. Im Bundesstaat Victoria gab es auch den Vorschlag, Gefangene zum Ernten von Obst auf den Farmen einzusetzen, aber dieser Vorschlag wurde von den Landwirten direkt abgelehnt. Der Arbeitskräftemangel verschlechtert die ohnehin schon schwierige Situation des Agrarsektors in Australien noch weiter. Bereits vor der Corona-Pandemie wurden die australischen Farmer und Züchter von Jahren extremer Dürre und Buschbränden geplagt.

Das Visum Australien kann jetzt schon beantragt werden

Trotz der Reisebeschränkungen kann das Visum Australien, wie früher auch, beantragt werden. Die australischen Ausländerbehörden bearbeiten die Anträge, werden wahrscheinlich aber erst dann wieder Visa erteilen, wenn das Einreiseverbot in Australien aufgehoben wird. Es ist noch nicht bekannt, wann das der Fall sein wird und wann Züchter und Landwirte wieder mit Rucksacktouristen rechnen können. Die australische Fluggesellschaft Qantas wird voraussichtlich ab Ende Oktober 2021 wieder kommerzielle Passagierflüge von Europa nach Australien anbieten. Die Frage ist, ob das für die Züchter und Landwirte noch rechtzeitig kommen wird, da die Erntesaison für viele Pflanzen dann schon vorbei sein wird.

Informieren Sie sich rechtzeitig, welches Visum Sie für Ihre Reise benötigen, wenn Sie vorhaben, nach der Corona-Pandemie nach Australien zu reisen, Deutsche und österreichische Staatsangehörige unter 31 Jahren, die in Australien arbeiten wollen (z.B. als Obstpflücker), benötigen ein Working Holiday Visum, Schweizer/-innen können dieses Visum jedoch nicht verwenden. Personen, die nur für einen Urlaub nach Australien reisen und nicht beabsichtigen, dort zu arbeiten, sollten ein eVisitor Visum beantragen. Dieses Visum ist wesentlich günstiger und einfacher zu beantragen. Während das Working Holiday Visum ca. 310 € kostet, liegen die Kosten für das eVisitor Visum bei 14,95 €. Das Working Holiday Visum wird in der Regel nach einigen Wochen erteilt, das eVisitor Visum Australien hingegen schon nach fünf Tagen.