Artikel aus der Rubrik „Aktuell" | | 24.04.2020 | ±2 Minuten Lesezeit

Australien erhält immer mehr Visumanträge. Das ist eine positive Entwicklung, aber es wird immer deutlicher, dass ein nicht unbedeutender Anteil dieser Anträge von Betrügern stammt, die das Visum Australien missbrauchen, um sich länger als erlaubt in Australien aufzuhalten.

Mehr Besucher und mehr Betrüger

Die australischen Behörden erklären die Zunahme der Anträge mit der wachsenden Zahl von Touristen, aber es wird langsam klar, dass das System besonders empfänglich für Betrug ist. Diese Art des Betrugs scheint vor allem von Malaysiern eingesetzt zu werden. ABC News enthüllte kürzlich, dass mindestens 33.000 Malaysier das australische Visasystem missbraucht haben. Das veranlasste die malaysischen Behörden, ihre Bürger zur Einhaltung der australischen Visabestimmungen aufzufordern.

Vorgehensweise

Der Betrug konzentriert sich auf die Online-Reisegenehmigung für Australien, die sogenannte ETA (Electronic Travel Authority). Eine ETA ermöglicht Reisenden aus anderen Ländern die Einreise nach Australien zu verschiedenen Zwecken. Die ETA ermöglicht es einem Reisenden, sich höchstens 3 Monate in Australien aufzuhalten. Reisende aus fast allen Ländern können eine ETA beantragen, auch Malaysier. Viele Betrüger stellen sofort einen Schutz- oder Asylantrag, der es ihnen ermöglicht, bis zu 8 Jahre lang in Australien zu leben und zu arbeiten. Da das australische Einwanderungssystem oft von der Zahl der Anträge überwältigt wird, wird diese Art von Betrug oft übersehen.

Ziel für Menschenschmuggler

Leider ist sich auch die kriminelle Unterwelt dieser Vorgehensweise bewusst, die diese Menschen (meist arme Arbeiter auf der Suche nach einer besseren Zukunft) zur Zielscheibe z. B. für Menschenschmuggler macht. Für eine große Summe sorgen diese Kriminellen dafür, dass die ausländischen Arbeitskräfte nach Australien einreisen, woraufhin sie illegal an Fabriken, Restaurants und viele andere Unternehmen, die auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sind, ausgeliehen werden. Frauen landen häufig in der Sexindustrie. Diese Einwanderer leben oft unter besonders miserablen Bedingungen.

eVisitor statt ETA

Der Betrug scheint sich fast ausschließlich auf die ETA-Reisegenehmigung für Australien zu konzentrieren. Australien bietet auch ein anderes Online-Visum an, das eVisitor Visum, das hauptsächlich von Touristen genutzt wird. Das eVisitor Visum hat den Vorteil, dass er günstiger ist und schneller beantragt wird als die ETA. Auf der anderen Seite steht die ETA für mehr Länder zur Verfügung. Reisende aus Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz können das eVisitor Visum beantragen, Reisende aus Malaysia zum Beispiel nicht. Deshalb richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf die ETA. Das könnte dazu führen, dass Australien die Regeln rund um die ETA verschärft, was den eVisitor beliebter macht. Die australische Politik steht seit langem unter dem Druck, die Einwanderung in den Griff zu bekommen, und die Nachricht über diese Art von Betrug im großen Umfang wird den Druck nur noch erhöhen.