Artikel aus der Rubrik „Aktuell" | | 24.04.2020 | ±4 Minuten Lesezeit

US-Präsident Donald Trump deutete am Mittwoch an, dass er bereit sei, eine Politik zu unterstützen, die auf eine Lockerung der derzeitigen Reisebeschränkungen an der kanadisch-amerikanischen Grenze abzielt. Trump sagte, er würde das "lieber jetzt als später tun". Obwohl Amerikaner/-innen, die nach Kanada reisen möchten, normalerweise kein Visum benötigen, führt die aktuelle Corona-Krise dazu, dass Reisen nach Kanada nicht mehr erlaubt sind, auch nicht für Personen mit einem US-amerikanischen Pass.

Zwei Länder, zwei Ausbrüche

Wie im Rest der Welt ist das Coronavirus auch in den USA und Kanada ausgebrochen. Die beiden Nachbarländer kämpfen mit dem schweren Ausbruch und in beiden Ländern kämpft das Gesundheitssystem mit der steigenden Zahl von Corona-Patienten. Abgesehen von diesen Ähnlichkeiten unterscheidet sich die Situation in Kanada jedoch grundlegend von der in den USA. Mit etwa 1000 Toten hat Kanada den Ausbruch ziemlich stark im Griff. Sogar Präsident Trump machte Kanada Komplimente, das seiner Meinung nach "gute Arbeit" im Umgang mit dem Coronavirus leistet. Leider kann das nicht von den USA gesagt werden. In den USA sind bereits Zehntausende von Menschen an den Folgen des Virus gestorben, und diese Zahl wird sich höchstwahrscheinlich in den kommenden Monaten nur noch erhöhen.

Reiseverbot Kanada und USA

Die nordamerikanischen Nachbarländer hatten sich im März darauf geeinigt, alle nicht unbedingt notwendigen Reisen zwischen den beiden Ländern zu verbieten. Dieses Reiseverbot sorgte in vielen anderen Ländern der Welt für Aufsehen, weil bestimmter Handelsverkehr nach wie vor erlaubt war. Trump und der kanadische Premierminister Trudeau waren sich einig, dass die wirtschaftlichen Interessen zwischen den beiden Ländern zu wichtig seien, um plötzlich einzustellen. Auch Menschen mit einem systemrelevanten Beruf, wie z. B. Krankenschwestern, durften die Grenze überschreiten.

Dennoch ist dieses Verbot extrem. Kanada und die USA tauschen jedes Jahr Millionen von Touristen und Geschäftsreisenden aus. Der Hauptgrund dafür ist, dass beide Länder die Visumpflicht für das jeweils andere Land aufgehoben haben. Das bedeutet, dass Reisende mit einem kanadischen Reisepass kein US-Visum benötigen, um in die USA zu reisen. Und US-amerikanische Reisende brauchen auch kein kanadisches Visum oder eine eTA für einen Urlaub in Kanada. Das Reiseverbot trifft beide Länder daher hart.

Wirtschaftliche Interessen stehen für Trump an erster Stelle

US-Präsident Trump macht keinen Hehl daraus, dass die wirtschaftlichen Interessen der USA für ihn an erster Stelle stehen. Er spielt seit Wochen darauf an, dass die Beschränkungen in seinem eigenen Land ein wenig gelockert werden können, damit Unternehmen wieder arbeiten können. Was wie unverantwortliche Habsucht des ehemaligen Immobilienmagnaten aussieht, hat aber auch praktische Gründe. Die Arbeitslosenzahlen in den USA steigen mit einer alarmierenden Geschwindigkeit. Millionen von Amerikanern/-innen mussten Arbeitslosengeld beantragen, was zu großem Druck auf die zuständigen Behörden führte.

Darüber hinaus sind die USA ein Land, in dem die Krankenversicherung direkt mit der Arbeit verbunden ist. Wenn man keine Arbeit hat, ist man nicht versichert. Keine Versicherung bedeutet keine Pflege, und das ist einer der Gründe, warum die Todesrate in den USA so hoch ist. Es gibt bereits Pläne, um dieses System radikal zu verändern. Die Auswirkungen des Coronavirus könnten also für die USA weitreichende Folgen haben.

Kanada weniger begeistert

Obwohl Präsident Trump erklärt, dass die Beziehungen zu Kanada "sehr positiv" seien und dass beide Länder seiner Meinung nach gleichermaßen begeistert von einer Lockerung der Reisebeschränkungen seien, trifft das für Kanada höchstwahrscheinlich weniger zu. Das Reiseverbot läuft nächste Woche aus, daher deutet Trump an, es nicht zu verlängern. Angesichts des dramatischen Unterschieds in der Schwere des Corona-Ausbruchs in beiden Ländern ist es jedoch nicht so offensichtlich, dass auch Kanada das für eine gute Idee hält. In den USA gibt es mehr als 500.000 Coronafälle mit mehr als 20.000 Todesfällen. In Kanada hingegen gibt es 18.000 Coronavirus-Infektionen. Premierminister Justin Trudeau kündigte zuvor an, dass die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Kanada um einige Wochen verlängert werden sollen. Es ist daher fraglich, ob er das Risiko eingehen will, die Grenzen zu den USA wieder zu öffnen.

Bitte beachten Sie: Die Informationen in diesem Artikel können inzwischen veraltet sein. Bevor Sie eine eTA oder ein Visum für Kanada beantragen, lesen Sie bitte alles über die aktuelle Situation in Bezug auf Corona in Kanada.