Artikel aus der Rubrik „Aktuell" | | 20.06.2020 | ±3 Minuten Lesezeit

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 nahmen die US-Behörden drastische Änderungen an den Bestimmungen für die zivile Luftfahrt vor. Viele dieser Maßnahmen sind für Reisende noch immer spürbar. Es ist nicht unwahrscheinlich dass das Coronavirus zu neuen Änderungen führen wird.

Nine-Eleven: Visa, Ausweispapiere und Sicherheitskontrollen

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stellte sich die Frage, wie effektiv die Sicherheit auf amerikanischen Flughäfen wirklich war. Alle 19 Terroristen passierten problemlos alle Kontrollen und durften die Flugzeuge besteigen. Die Sicherheitskontrollen wurden nach dem 11. September erheblich verschärft. Während davor alles von verschiedenen privaten Sicherheitsunternehmen geregelt wurde, haben die Behörden nun eine zentrale Stelle eingerichtet, die alle Sicherheitsmaßnahmen organisiert. Außerdem wurden nach nine-eleven sowohl die Kontrollen von Ausweispapieren als auch von Visa viel strenger. Früher waren kleinere Fehler bei der Beantragung von Visa oder im I94W-Formular oft kein Grund, jemanden abzuweisen. Selbst wenn Reisende kein gültiges Ausweisdokument hatten, kam es häufig vor, dass sie einfach in ein Flugzeug einsteigen durften (wenn es sich um einen Inlandsflug handelte). Nach dem 11. September 2001 wurden die Kontrollen erheblich verschärft und das ESTA anstelle des I94W-Formulars eingeführt. Selbst kleinste Fehler in Visum- oder ESTA-Anträgen führen zu einer Ablehnung und Reisende, die sich nicht ausweisen können, wird das Boarding verweigert, unabhängig davon, wie lange der Flug dauert.

Änderungen, die aufgrund des Coronavirus zu erwarten sind

Das Coronavirus hat die Wirtschaft von Ländern auf der ganzen Welt gelähmt. Reisen sind nicht erlaubt, solange nicht sicher ist, dass das Virus unter Kontrolle ist. Die Erwartung ist jedoch, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die US-amerikanische Luftfahrt nicht so extrem sein werden wie die der Anschläge vom 11. September 2001. Schließlich lässt ein Virus sich nicht mit einer gründlichen Prüfung vor der Visa-Erteilung stoppen. Wahrscheinlich ist, dass bei der Beantragung eines Visums oder ESTA zusätzliche Hintergrundfragen gestellt werden. Genau wie andere Länder in der Welt sind die USA bestrebt, den Tourismussektor wieder anzukurbeln. Das ist keine Überraschung, denn das Land ist das beliebteste Reiseziel der Welt.

Stornierungen, aber auch Optimismus

Umfragen in den USA zeigen, dass die Menschen optimistisch sind, dass sie in naher Zukunft wieder reisen können. Reisebuchungen werden in geringerem Maße storniert als viele Reisebüros erwartet haben. Andererseits gibt es nur wenig neue Buchungen. Die Menschen sind hoffnungsvoll, aber abwartend. Bis auf weiteres wird die Mehrzahl der Reisen innerhalb der USA stattfinden. Reisende sind nach wie vor zurückhaltender als vor dem Virusausbruch, das Flugzeug zu verwenden. Wie lange das dauern wird, ist unsicher, aber die Reisebüros schätzen, dass diese Situation bis 2021 anhalten kann.

Die Coronavirus-Situation ändert sich jedoch von Woche zu Woche. Bisher gibt es keine konkreten Angaben über Änderungen im Visa- oder ESTA-System für Ausländer/-innen, die in die USA reisen. Die US-amerikanischen Behörden denken eher daran, Quarantäne-Verpflichtungen für Reisende einzuführen. Andere Länder experimentieren bereits damit, Ausländer/-innen die Einreise zu ermöglichen, wenn diese zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Quarantäne bleiben. Darum funktioniert das amerikanische ESTA-Antragssystem noch immer. Hier zeigt sich auch der Optimismus der ausländischen Reisenden. ESTA-Anträge werden immer noch gestellt, aber eher für Reisen, die (weit) in der Zukunft stattfinden werden. Für viele Menschen ist die Gewißheit, immer noch ein ESTA oder Visum beantragen zu können, an sich schon beruhigend; daraus ergibt sich, dass extreme Maßnahmen wie nach dem 11. September 2001 vorerst nicht auf der Tagesordnung stehen.